Atomgefahr kennt keine Grenzen!

16.04.11 - 7 Organisationen aus 3 Länderen vereinbaren gemeinsame Schritte gegen Atomkraft!

Gemeinsame Presseaussendung von 7 Vereinen aus 3 Ländern am 16. April 2011 in Dolni Dvoriste (Tschechische Republik)

Dolni Dvoriste - Vertreter der Antiatom-Vereine dreier Nachbarländer - der Tschechischen Republik, Deutschlands und Österreichs trafen sich heute in Dolni Dvoriste, um über gemeinsame Aktivitäten im Widerstand gegen die Erweiterung des Atomkraftwerks Temelin zu beraten.

Die 7 Vereine Südböhmische Mütter, BIU - Bürgerinitiative Umweltschutz, Calla (aus der Tschechischen Republik), die Bayerische Plattform gegen Atomgefahr (Deutschland) sowie atomstopp_atomkraftfrei leben! das Anti Atom Komitee und die Freistädter Mütter gegen Atomgefahr (Österreich) haben zum Schluss des gemeinsamen Treffens folgende Presseerklärung herausgegeben.
Risiken, die mit der Atomenergienutzung zusammenhängen, kennen keine Grenzen. Die Katastrophe von Tschernobyl, dessen 25. Jahrestag heuer gedacht wird, und die jüngste Katastrophe von Fukushima sind alarmierende Höhepunkte. Es ist uns ein gemeinsames Anliegen, die Gefahr, die von Atomkraftwerken ausgeht, zu verringern.

Deswegen:
- begrüßen wir, dass die deutsche Regierung entschieden hat, die ältesten deutschen Reaktoren abzustellen und nach einem mehrmonatigen Moratorium über die weitere Nutzung der Atomenergie entscheiden wird. Deutschland wird zum europäischen Vorreiter in der Nutzung der erneuerbaren Energieträger und in der Erfüllung der Energievision Europas.
- schätzen wir sehr, dass Österreich zu den europäischen Ländern gehört, die sich aktiv für ein Europa ohne atomare Gefährdung einsetzt. Das kann man nur mit einer geduldigen langfristigen Arbeit und mit eigenem Beispiel erreichen.
- kritisieren wir, dass die tschechische Regierung, die Reaktorkatastrophe von Fukushima bagatellisiert und keine Anzeichen erkennen lässt, die Nutzung der Atomenergie zu überdenken und weiterhin - unter Regie der Stromgesellschaft CEZ - den Uranabbau und die Uranbearbeitung, den Bau neuer Atomblöcke und des Endlagers für abgebrannten Kernbrennstoff plant, ohne dass eine Reihe von Auswirkungen auf die Sicherheit der Bewohner und den Umweltschutz gelöst wurde.
- sind wir davon überzeugt, dass eine moderne europäische Energiewirtschaft ohne nukleare Energieträger aufgebaut werden soll. Für Europa gibt es Szenarien und Modelle, die beweisen, dass man bis Mitte dieses Jahrhunderts völlig aus der Nutzung der Atomenergie aussteigen kann. Es gilt, das Potenzial der Energieeinsparungen, das Potenzial der Steigerung der Energieeffizienz zu nutzen und den Ausbau der erneuerbaren Energieträger zu forcieren.
- sprechen wir unseren Entschluss aus, bei gemeinsamen Aktivitäten zusammen zu arbeiten, deren Ziel ein Europa ohne Atomkraftwerke ist. Die Lösung der europäischen Energiewirtschaft muss aus unserer Sicht grenzüberschreitend gelöst werden!

Konkret haben wir beschlossen:
- eine Serie von gemeinsamen öffentlichen Aktionen, die sich gegen die Atomenergienutzung in Europa richten werden. Die erste davon wird am 14. Mai in Freistadt stattfinden, die weiteren werden in Deutschland und in der Tschechischen Republik folgen.
- zu verlangen, dass die Tschechische Republik auf die Pläne für den Bau neuer Reaktoren verzichtet und ein Energiekonzept genehmigt, das klar bestimmte Daten der Schliessung der derzeitigen Atomkraftwerke in Dukovany und Temelin beinhaltet. Wobei wir darauf aufmerksam machen, dass Tschechien mehr Strom exportiert, das jedes dieser Atomanlagen erzeugt. Zur Durchsetzung unserer Anforderungen werden wir den öffentlichen Druck auf die Politiker und auf die Entscheidungsträger nutzen.
- Druck auf die Umsetzung der Stress-Tests in allen Atomanlagen, in der Tschechischen Republik mit internationalen Aufsicht, da man der Objektivität des tschechischen Staatsamtes fúr Kernsicherheit nicht vertrauen kann.
- auf der deutschen Seite mit Hilfe des öffentlichen Druckes zu verlangen, dass alle acht derzeit abgestellten ältesten Atomkraftwerke nicht mehr in Betrieb genommen werden und dass der Plan des Ausstiegs aus der Atomenergie eingehalten wird.
- von den Politikern zu verlangen, dass jeder Betreiber der Atomkraftwerke für den eventuellen Atomschaden im voller Höhe haftet. Das betrifft auch die Tschechische Republik, wo derzeit der Temelin-Betreiber CEZ maximal 8 Milliarden Kronen bezahlen würde.

Monika Machova-Wittingerova von den Südböhmischen Müttern sagte: "Die Havarie in Japan bestätigte uns wieder, wie wichtig es ist, mit unserer Arbeit fortzusetzen. Wir wollen ein Gegengewicht zur Atomlobby bilden, die uns trotz den Begebenheiten in Japan nach wie vor davon überzeugen will, dass wir auf die Atomenergienutzung nicht verzichten können."

Pavel Vlcek von der Bürgeriniative Umweltschutz ergänzte: "Der AKW-Betreiber CEZ will, dass die Öffentlichkeit die Atomkatastrophe in Japan nur am Rande wahrnimmt und die Meinung über die Erweiterung von Temelin nicht verändert. Ich hoffe, dass auch die Tschechische Republik schon bald die Lehren aus der Katastrophe von Fukushima ziehen wird."

Edvard Sequens von der Vereinigung Calla sagte: "Die Havarie im Atomkraftwerk Fukushima machte wieder mit einer großen Dringlichkeit auf das Problem der Sicherheit aufmerksam, das wir gerne vergessen, beeinflusst durch die Reden der Technokraten und durch die natürliche Eigenschaft unserer Psyche, das langfristige Gefühl der Gefahr zu verdrängen. Was die Atomindustrie auf der ganzen Welt gemeinsam hat, ist das unkritische Vertrauen in die Lösung, die sie durchsetzt, solch ein Techno-Optimismus, dass sie alles unter Kontrolle haben kann."

Bernd Scheibner von der Bayerischen Plattform gegen Atomgefahr sagte: \"Die tragischen Ereignisse in Japan haben wieder einmal gezeigt, dass Atomkraftwerke in Extremsituationen vom Menschen nicht beherrschbar sind. Die austretende Radioaktivität lässt Menschen erkranken und sterben und vernichtet durch die notwendige Zwangsevakuierung deren gesamtes Eigentum. Entsprechende Ereignisse in einem Land der EU führen zum gleichen Ergebnis in diesem Land und den Nachbarstaaten. Radioaktivität kennt keine Ländergrenzen. Deshalb müssen in der gesamten EU veraltete AKW sofort abgeschaltet werden, moderne AKW nachgerüstet werden und AKW-Neubauten im Interesse aller Menschen in der EU unterbleiben. Das Leben der Menschen hat Vorrang vor dem Gewinn der Konzerne.\"

Roland Egger von atomstopp_atomkraftfrei leben! ist überzeugt: \"Der Widerstand gegen die Erweiterung von Temelin soll in den nächsten Wochen und Monaten sehr breit aufgestellt werden, weitere Gruppen für die gemeinsame Allianz gegen Temelin motiviert werden, in Tschechien genauso wie in Deutschland!\"

Gabi Schweiger von den Freistädter Müttern sagte : \"Es ist bestürzend, dass ausgerechnet unser Nachbarland aus der aktuellen, schweren Katastrophe in Japan nichts dazu lernen will.\", meint Gabi Schweiger von den Freistädter Müttern gegen Atomgefahr und weiter: \"Aber nicht nur die latente Gefährdung der böhmischen, österreichischen und bayerischen Bevölkerung durch Temelin, sowohl auf Bestand als auch in Ausbauplänen, ist inakzeptable. Es ist auch höchste Zeit, dass den Menschen in Tschechien begreiflich wird: es stellt einen Widerspruch dar, für Atomenergie zu sein und sich gleichzeitig gegen Endlager zu verwehren!\"

Manfred Doppler vom Anti Atom Komitee ergänzte: \"Wir haben durch Beschwerden bei der Europäischen Kommission erreicht, dass Tschechien sein UVP Gesetz den EU-Richtlinien anpassen musste. Wir verlangen vom tscheschischen Betreiber CEZ und werden alles daran setzen, dass die grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung nach dem neuen UVP-Gesetz durchgeführt werden muss. EU-Richtlinien sind einzuhalten!\"


Kontakte:
Monika Machova-Wittingerova, Südböhmische Mütter, jihoceskematky@ecn.cz, Tel: +420 603 516 603
Pavel Vlcek, BIU-Bürgerinitiative Umweltschutz, oizp@oizp.cz, Tel: +420 777 006 241
Edvard Sequens, Calla, edvard.sequens@calla.cz, Tel: +420 602 282 399
Bernd Scheibner, Bayerische Plattform gegen Atomgefahr, scheibner.passau@web.de, Tel: 0049-172-8587463
Roland Egger, atomstopp_atomkraftfrei leben!, roland.egger@atomstopp.at, Tel: +43 680 239 3019
Gabi Schweiger, Freistädter Mütter, schweigab@aon.at, Tel: + 43 664 390 77 09
Manfred Doppler, Anti Atom Komitee, manfred.doppler@anti.atom.at, Tel: +43 664 450 5015


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